ROBOTA 500

Landmarks für „Planetarische Bauern“

ein Projekt der Werkleitz Gesellschaft e.V. anlässlich des 500. Bauernkriegsjubiläums 2025, in Zusammenarbeit mit Hermann Beneke

Robota 500 symbolisiert zum einen die aufständischen Bauern des 16. Jahrhunderts und hinterfragt gleichzeitig die Übertechnologisierung und das Effizienz-Paradigma der heutigen Wirtschaftsprozesse.

 

 

ROBOTA 500

Der Begriff „Roboter“ stammt vom tschechischen Wort robota, das „Frondienst“ oder „Zwangsarbeit“ bedeutet. Karel Čapek prägte ihn in seinem Drama R.U.R. (Rossum’s Universal Robots). Dort sind Roboter künstliche Arbeiter, geschaffen, um die Menschheit von körperlicher Arbeit zu entlasten und die Produktivität zu steigern. Doch die Roboter entwickeln ein Bewusstsein und rebellieren gegen ihre Schöpfer, bis diese schließlich ausgelöscht werden. Diese symbolische Darstellung wirft grundlegende Fragen zu Macht, Gerechtigkeit und den sozialen Folgen von technologischem Fortschritt auf. Diese Fragen lassen sich nicht nur auf die industrielle Revolution übertragen, sondern auch auf historische und aktuelle Konflikte um Land, Ressourcen und soziale Ungleichheit.

Die Bauernkriege des 16. Jahrhunderts sind ein historisches Beispiel für den Widerstand der Unterdrückten gegen ein System, das ihre Arbeit und Existenz instrumentalisierte und sie damit Entmenschlichte. Damals wurden Bauern durch steigende Abgaben und die Privatisierung von Gemeindeland immer stärker unter Druck gesetzt. Der Verlust traditioneller Rechte und die zunehmende Machtkonzentration in den Händen weniger führten zu einer Rebellion, die jedoch brutal niedergeschlagen wurde.
In R.U.R. spiegelt sich ein ähnlicher Konflikt wider. Die Roboter, als technologisch optimierte Arbeitskräfte geschaffen, erfahren eine vergleichbare und wirtschaftliche Funktionalisierung wie die Bauern. Sie rebellieren, als sie erkennen, dass sie lediglich Werkzeuge in einem System sind, das ihre Bedürfnisse ignoriert.
Ein aktuelles Beispiel für ähnliche Machtkonzentrationen findet sich im globalen Landkauf durch Investoren. Großinvestoren kaufen weltweit Agrarflächen, beispielsweise Weideflächen in Osteuropa, die zuvor über Jahrhunderte als Gemeindefläche von Wanderschäfereien nachhaltig bewirtschaftet wurden. Die ökologisch wertvollen Weideflächen werden häufig in Monokulturen für die industrielle Landwirtschaft umgewandelt. Dies zerstört nicht nur artenreiche Lebensräume, sondern untergräbt auch lokale Ökonomien und soziale Strukturen. Kleine Familienbetriebe und Gemeinden, stehen machtlos einem globalen Agrarindustriekomplex gegenüber. Hier zeigt sich die Parallele zu R.U.R. und den Bauernkriegen: Sobald Kapital und die Kontrolle über Technik und Ressourcen auf wenige Akteure übergeht, werden die ursprünglichen kulturellen Errungenschaften zum Mittel der Unterdrückung.

„In der Entwicklung der Produktivkräfte1 tritt eine Stufe ein, auf welcher Produktionskräfte und Verkehrsmittel hervorgerufen werden, welche unter den bestehenden Verhältnissen nur Unheil anrichten, welche keine Produktionskräfte mehr sind, sondern Destruktionskräfte…“ Karl Marx2

Das von Marx formulierte Gesetz der kapitalistischen Produktionsweise ist zugleich Ausdruck der Zwiespältigkeit des Verhältnisses von Mensch und Natur, die das Kapital hervorbringt. Die progressive Tendenz der Entwicklung von Wissenschaft und Technik und der damit produktiven Naturaneignung erzeugt zugleich die Tendenz zunehmender Naturzerstörung.

„Alles ist Zeichen, alles Symbol.“ Goethe

Robota 500 symbolisiert zum einen die aufständischen Bauern des 16. Jahrhunderts und hinterfragt gleichzeitig die Übertechnologisierung und das Effizienz-Paradigma der heutigen Wirtschaftsprozesse.
Die Roboter-Skulptur ist eine aus Aluminiumplatten zusammengesetzte humanoide Figur, die fest stehend auf einem Betonsockel den linken Arm gereckt in die Höhe hält. Die Geste des erhobenen Armes setzt einen Markierungspunkt – ein Zeichen für „Hier bin ich!“ – und könnte zugleich ein kämpferischer Aufruf sein. Die Reduzierung der menschlichen Gestalt auf vertikal geschichtete Metallplatten erweckt Assoziationen zu einem Roboter. Die steife Haltung der Figur unterstützt diese Wirkung. Die Metallplatten, die an den Gelenkpunkten mit einem Bolzen zusammengehalten werden, sind in den Farben des Regenbogens gefärbt und erinnern an die Flagge der Bauern die vor 500 Jahren unter Thomas Müntzer in den Krieg gezogen sind.
Der Regenbogen, der im alten Testament nach der Sintflut erscheint, steht für einen neuen Bund zwischen Gott und den Menschen. Sintflutartig wollte Müntzer den Weg für eine neue göttliche Ordnung auf Erden ebnen und zog mit den Bauern in den Kampf – für eine gerechte Gesellschaftsordnung ohne Privilegien, in der alle Menschen vor Gott gleich sind. Von der christlichen Ikonografie gelöst, ist die Regenbogenflagge heute ein universelles Zeichen für Vielfalt und Freiheit.
Bei Robota 500 ist jede Platte in einer Farbe des Regenbogens gefärbt, der Farbübergang geschieht vertikal. Von der Seite gesehen erscheint die Figur wie ein Streifen oder eine Stele in den Farben Blau und Rot und wird in der Landschaft zum Orientierungspunkt. Mit der 2,70 m großen Figur sollen drei authentische Orte in Mansfeld-Südharz markiert werden, die im Bauernaufstand unter Thomas Müntzer eine Rolle spielten. Die Skulptur markiert nicht nur Orte des historischen Aufstandes unterdrückter Bauern, sondern verweist mit ihrer reproduzierbaren und industriellen Bauweise auch auf die zeitgenössischen Produktions- und Arbeitsweisen. In einer Zeit, in der die Menschen ihr Verhältnis zur Welt, zu den Mitmenschen und zu sich selbst immer wieder neu bestimmen müssen, stellt sich hier die Frage: wo aktuell Ungerechtigkeit vorliegt, wo Verstöße geschehen, wo es für das Recht des Unterdrückten einzutreten gilt.

Stine Albrecht und Hermann Beneke

 

1 Als Produktivkräfte werden alle natürlichen, technischen, organisatorischen und geistig-wissenschaftlichen Ressourcen bezeichnet, die der Gesellschaft zur Produktion von Gütern und Dienstleistungen zur Verfügung stehen.

2 Karl Marx, Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie, in: MEW, Bd. 3, Berlin 1958, S.69.